Helga-Stödter-Preis der Handelskammer Hamburg 2017

Gruner+Jahr und der Zeitverlag Gerd Bucerius gewinnen Helga-Stödter-Preis

Medienunternehmen für vorbildliches Engagement bei „Mixed Leadership“ ausgezeichnet

Hamburg, 27. März 2017 – Gruner+Jahr und der Zeitverlag Gerd Bucerius haben in den beiden Kategorien „Großunternehmen“ und „kleines oder mittelgroßes Unternehmen“ den „Helga-Stödter-Preis der Handelskammer Hamburg für Mixed Leadership“ erhalten. Damit würdigen Kammer und Helga-Stödter-Stiftung seit 2012 Hamburger Firmen, die sich vorbildlich und nachhaltig für ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen einsetzen.

Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer betonte in seinem Grußwort vor 370 Gästen im Albert-Schäfer-Saal, dass Hamburg beim Thema „Mixed Leadership“ noch lange nicht am Ziel sei. Was ihm Sorgen mache, „ist die Tatsache, dass sich der Frauenanteil in den Führungspositionen der Hamburger Unternehmen insgesamt gesehen in den letzten Jahren nicht erhöht hat. Noch immer liegen wir bei einem Anteil von 25 Prozent – über alle Branchen und Firmengrößenklassen hinweg“, so Melsheimer. Ehrengast Tina Müller, Opel-Marketing-Chefin, sagte in ihrer Rede: „Das Umparken im Kopf beim Thema ‚Frauen in Führungspositionen‘ nimmt Fahrt auf, denn die Erkenntnis, dass Vielfalt zu besseren Ergebnissen führt, setzt sich durch.“

Gruner+Jahr engagiert sich seit 2011 für das Thema „Mixed Leadership“ und hat inzwischen einen sehr hohen Anteil von Frauen in Führungspositionen: Auf der ersten Führungsebene 33 Prozent, auf der zweiten 40 Prozent und auf der dritten 50 Prozent. Die Jury lobte außerdem das seit 2011 existierende interne Frauennetzwerk, die strategische Nachwuchsförderung und die Rekrutierung von Frauen über feste Quoten für weibliche Bewerberinnen in den Short Lists sowie die vorbildlichen Angebote zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Beim Zeitverlag fand die Jury preiswürdig, dass das Unternehmen seine Ziele beim Anteil von Frauen in Führungspositionen dieses Jahr deutlich übererfüllt hat: 50 Prozent der zweiten Führungsebene und 52 Prozent der dritten Führungsebene sind weiblich besetzt. Nur die oberste Ebene – Geschäftsführer und Chefredakteur – ist noch rein männlich. Beide Chefs stehen jedoch hinter dem Konzept des Mixed
Leadership, das beim Zeitverlag zur Unternehmenskultur gehört. Als vorbildlich werden auch die Maßnahmen zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf angesehen wie „Führen in Teilzeit“, „Top Sharing“ (zwei Mitarbeiter teilen sich eine Führungsposition) oder Richtzeiten für Meetings (nur zwischen 9 und 17 Uhr).

Nach einer aktuellen Datenrecherche der Handelskammer sinkt der Anteil der Frauen in Führungspositionen der Hamburger Wirtschaft deutlich mit steigender Unternehmensgröße: Bei Firmen in Industrie, Handel und Dienstleistungen ohne Beschäftigte liegt er bei 31 Prozent, bei Unternehmen mit 1 bis 3 Mitarbeitern bei 26 Prozent. Danach sinkt der Anteil kontinuierlich, und bei Betrieben in den Größenklassen zwischen 5.000 und 10.000 oder mehr Beschäftigten liegt er bei nur noch rund 13 Prozent.

Die Handelskammer ist seit 1665 die Selbstverwaltung der gewerblichen Hamburger Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen von etwa 160.000 Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung, ist kundenorientierter Dienstleister für unsere Mitgliedsfirmen und unabhängiger Anwalt von Markt, Wettbewerb und Fair Play. Wir beraten Unternehmen, wir bündeln Interessen und wir bilden Menschen. Über 700 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen engagieren sich ehrenamtlich bei uns als gewählte Vertreter ihrer Branchen in über 30 Gremien. Sie tragen entscheidend zur Meinungsbildung der Handelskammer bei. Außerdem nehmen 4.000 ehrenamtliche Unternehmensvertreter die Prüfungen in der dualen Berufsausbildung ab, die uns der Staat per Gesetz als hoheitliche Aufgabe übertragen hat.
Unser Leitsatz heißt: „Wir handeln für Hamburg.“

Die Jury-Mitglieder

Fritz Horst Melsheimer
Präses der Handelskammer Hamburg

Rena Bargsten
Past-Präsidentin des EWMD Deutschland e.V. – European Women’s Management Development International Network

Henriette Rebhan
Vorstandsvorsitzende der Helga Stödter-Stiftung

Eva Rydell
Manager Product Cost Reduction, Shell, Zonta-Club Hamburg-Alster

Thomas Sattelberger
Ehemaliger Personalvorstand der Deutschen Telekom AG

Adelheid Sailer-Schuster
Mitglied des Aufsichtsrats der Santander Consumer Bank, Ehemalige Präsidentin der Hauptverwaltung der Deutschen Bundesbank in Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein

Korinna Steffen
Mitglied des Plenums der Handelskammer Hamburg

Unterstützer

EWMD Deutschland e.V. – European Women´s Management Development International Network www.ewmd.org

FIM e.V. – Vereinigung für Frauen im Management www.fim.de

VdU – Verband deutscher Unternehmerinnen e.V. www.vdu.de

ZONTA – die Zonta-Clubs Hamburg, Hamburg-Elbufer, Hamburg-Alster, Hamburg-Hanse, Hamburg Hafen zonta.org


Zur Person der Stifterin Helga Stödter

Dr. Helga Stödter war nach dem Zweiten Weltkrieg eine der ersten und aktivsten Frauen­rechtlerinnen in Deutschland. Sie hat sich Zeit ihres Lebens für die Rechte der berufstätigen Frau eingesetzt und war Initiatorin zahlreicher Frauenvereinigungen und -initiativen. Vor al­lem aber hat sie die „Helga-Stödter-Stiftung Frauen für Führungspositionen“ ins Leben ge­rufen. Im Mai 2011 ist Dr. Helga Stödter im Alter von 89 Jahren verstorben. Ausführliche Informationen zu ihrem Wirken finden Sie hier.

Bildergalerie


Fotos: © Handelskammer Hamburg / Annegret Hultsch


Rückblick:

Bericht zur Preisverleihung 2016

Hamburger Feuerkasse und Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein ausgezeichnet

160414_Helga_Stoedter_Preis_AHU_001„Die tradierte Vorstellung vom Hafengeschäft als Männerdomäne, in der nur Männer mit selbstverständlich nur Männer akzeptierenden Kunden bestenfalls bei Rotwein und Zigarre ihre Verträge aushandeln, ist ein Blick in den Rückspiegel und eignet sich allenfalls für die Geschichtsbücher. Die Realität ist gekennzeichnet durch eine enorme Konzentration auf wenige weltweit agierende Akteure, die ihre Ziele entsprechend ihrer betriebswirtschaftlichen Logik durchsetzen. Lediglich die Rolle und nicht das Geschlecht des Verhandlungspartners ist dabei relevant.“

Heinz Brandt, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektor der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) in seinem Vortrag anläßlich der 5. Verleihung des Helga-Stödter-Preises in der Handelskammer Hamburg, 14.04.2016

Hamburg, 14. April 2016 – Die VHH-Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein in der Kategorie „Großunternehmen“ und die Hamburger Feuerkasse in der Kategorie „kleines und mittelgroßes Unternehmen“ haben den Helga-Stödter-Preis für Mixed Leadership gewonnen. Damit zeichnen die Handelskammer Hamburg und die Helga-Stödter-Stiftung zum fünften Mal Hamburger Unternehmen aus, die sich vorbildlich und nachhaltig für ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen einsetzen.

Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein haben bei ihrem erfolgreichen Prozess, Frauen in Führung zu bringen, unter anderem bei den Betriebsleitern den Frauenanteil von 0 Prozent im Jahr 2009 auf 67 Prozent in 2015 erhöht. Überdies gibt es laut Jury diverse Maßnahmen zur Förderung qualifizierter Frauen: Die Personalakquise wurde gezielt auf Frauen ausgerichtet, und es gibt spezielle Weiterbildungs- sowie Coachingangebote für Frauen. Darüberhinaus sind Jobsharing, Führung in Teilzeit, Teilzeitausbildung, flexible Arbeitszeiten sowie Home Office möglich. Bei der Feuerkasse lobten die Juroren das konsistente Konzept und die strategische Ausrichtung des Gesamtkonzerns zur „proaktiven Förderung von Frauen in Führung“, die Gründung eines Frauennetzwerkes sowie Mentoringprogramme für Abteilungsleiterinnen und Mitarbeiterinnen. Innerhalb des Provinzial NordWest Konzerns sind von der Hamburger Feuerkasse viele Impulse zur konkreten Umsetzung von „Mixed Leadership“ ausgegangen.

Handelskammer-Präses Fritz Horst Melsheimer zog in seiner Rede bei der Verleihungsveranstaltung im Albert-Schäfer-Saal vor 250 Gästen eine Zwischenbilanz nach einem Jahr Frauenquote und kritisierte, dass der „erhoffte Durchbruch bislang ausgeblieben“ sei. Dies gelte weniger für die Aufsichtsratsmandate als vor allem für die Vorstände und oberen Führungsetagen. „Ein großer Teil der Konzern- und Unternehmensleitungen der großen deutschen Firmen identifiziert sich nicht mit der Quote und erfüllt die gesetzlichen Vorgaben nur minimalistisch“, bemängelte Melsheimer. Um dies zu ändern, müsse an den „Karrieresystemen“ gearbeitet werden: „Jobsharing in Führungspositionen, Führung in Teilzeit, Home Office, die Verpflichtung, bei Bewerbungen auch Frauen auf die Shortlists zu setzen, Mentoringprogramme – all das zusammengenommen weist in die richtige Richtung.“ Und natürlich müsse auch die Betreuungsinfrastruktur stimmen – in den Kitas, aber auch in den Unternehmen selbst.

Melsheimer regte außerdem eine noch engere Kooperation der IHKs in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen beim Thema “ Frauen und Wirtschaft“ an. „Damit wir auf diesem Wege zeigen können: Die norddeutsche Wirtschaft steht für Mixed Leadership!“

Die Handelskammer ist seit 1665 die Selbstverwaltung der gewerblichen Hamburger Wirtschaft. Sie vertritt die Interessen von etwa 150.000 Unternehmen gegenüber Politik und Verwaltung, ist kundenorientierter Dienstleister für unsere Mitgliedsfirmen und unabhängiger Anwalt von Markt, Wettbewerb und Fair Play. Wir beraten Unternehmen, wir bündeln Interessen und wir bilden Menschen. Über 700 Unternehmerinnen und Unternehmer aus Industrie, Handel und Dienstleistungen engagieren sich ehrenamtlich bei uns als gewählte Vertreter ihrer Branchen in über 30 Gremien. Sie tragen entscheidend zur Meinungsbildung der Handelskammer bei. Außerdem nehmen 4.000 ehrenamtliche Unternehmensvertreter die Prüfungen in der dualen Berufsausbildung ab, die uns der Staat per Gesetz als hoheitliche Aufgabe übertragen hat. Unser Leitsatz heißt: „Wir handeln für Hamburg.“

Weitere Informationen:

Beitrag im NDR Hamburg Journal vom 14. April 2016 um 19.30 Uhr (32 Sekunden lang, Beginn bei Minute 19:28, Ende bei 20:00.): https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/hamburg_journal/Hamburg-Journal,hamj47392.html

Veröffentlichung aus der Homepage www.business-on.de:
Frauen in Führungspositionen: Hamburger Unternehmen ausgezeichnet

Bericht von der HK Hamburg:
Helga-Stödter-Preis für Frauen in Führungspositionen

Bericht vom VHH:
Ausgezeichnet: VHH erhält Helga-Stödter-Preis

Bericht der Feuerkasse Hamburg:
Viele Frauen in Führungspositionen

Bericht der Messe Hamburg:
„Hamburg Messe soll größte in Deutschland werden“

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Fotos: Annegret Hultsch